Internationale Konferenz der Bahnhofsozialdienste

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Jahresbericht 2013

Jahresbericht

Sehr geehrte Damen und Herren

Wenn einer eine Reise von St. Gallen nach Zürich tut… Frühlingshaft und luftig bekleidet, daher schlotternd, wartete ich während 20 Minuten im rauen St. Galler Klima auf die Schüler, die wegen einem unfallbedingten Stau in den Strassen stecken geblieben waren. Der Zug wartete natürlich nicht…Vor mir nun weitere 30 Minuten Wartezeit zusammen mit J. und A. im feierabendlich hektischen Bahnhof, ich blaugefroren. Dies bewog mich, die mir grundsätzlich lieben und wichtigen Regeln über Bord zu werfen. Ich hatte das Bedürfnis nach einem heissen Kaffee und erlaubte den Kindern, sich etwas Kleines auszusuchen, zum Glück, wie sich später zeigten sollte… Sie begnügten sich unkompliziert mit einem Brötchen, einem PEZ (Traubenzucker), was sie beides teilten und der nachdrücklichen Information, dass dies definitiv eine Ausnahme sei. „Dieser Zug fährt nur bis Winterthur. Wegen eines Personenunfalls ist die Strecke Winterthur- Effretikon blockiert.“ Feierabend. Freitag. Varianten-Zugfahren ab Winterthur war also angesagt. Die dazugehörende Lawine war bereits in Wartestellung in Form eines riesigen Menschenstromes. Wir kämpften uns durch zum Zug nach Waldshut mit der Idee, in Bülach umzusteigen Richtung Zürich. Diese Idee hatten aber nicht nur wir…Haben Sie schon einmal erlebt, dass die Passagiere nicht aus dem Zug heraus können weil der Bahnsteig übervoll ist mit wartenden Menschen? So kam nun in Bülach J. in Aktion. Am kürzesten gewachsen, einem Maulwurf gleich, arbeitete er sich sozusagen im Untergrund durch die Menge. Wieder im Zug konnten wir abschätzen, wann wir Zürich erreichen würden. Meine Weggefährten hatten langsam Hunger und ich war froh, dass sie zumindest ein wenig gegessen hatten. Um 21 Uhr nahm die Mutter ihre beiden Söhne dankbar in die Arme. Schuhgrösse 36 und 39, Danke, ihr wart gute Reisegefährten!

Entwicklung der Begleitungen Der Knick in der Entwicklung der Begleitungen ist dieses Mal einfach erklärbar und bedeutet effektiv keinen Rückgang. Wir passten unsere IT den wichtigsten Geschäftsfällen – den regelmässigen Begleitungen – an, was uns für deren Abwicklung Erleichterungen und

Transparenz brachte. Konsequenz dieser Erneuerung ist, dass Aufträge mit Hin- und Rückfahrten an verschiedenen Daten neu nur noch als ein Auftrag zählen. Da die meisten regelmässigen Aufträge aus Hin- und Rückfahrten bestehen, hat sich das entsprechend auf die Anzahl Aufträge ausgewirkt. Vergleichen wir die Anzahl abgerechneter Stunden mit dem Vorjahr, weisen wir ein Wachstum von 8.6% (366 Stunden) aus. Die Reisebegleitung ist also noch immer gut unterwegs. Kundinnen und Kunden Gegenüber dem Vorjahr haben sich nur geringe Verschiebungen innerhalb der Kundenkategorien ergeben. Insgesamt durften wir 155 (Vorjahr 159) Kundinnen/Kunden begleiten. Der Umsatz setzt sich wie folgt zusammen Fast 70% (Vorjahr 59%) des Umsatzes (inkl. Billettkosten/Spe­sen) fällt auf Kinder und Jugendliche, was rund 34% der Kundinnen/Kunden ausmacht Rund 30% des Umsatzes fällt auf Erwachsene bzw. Institutionen, was rund 66% der Kundinnen/Kunden entspricht. Die meisten Kinder und Jugendlichen reisen regelmässig mit COMPAGNA und können so von Rabatten profitieren. Bei den Erwachsenen ist der Anteil der regelmässigen Kunden bescheiden. Finanzen Der Nettoerlös aus den Begleitungen hat sich aufgrund des Wachstums bei den Stunden um rund 6.4% erhöht. Der Personalaufwand bewegt sich wieder etwa auf dem Niveau von 2011 (2012 Pensenre­duktion). Der Betriebsaufwand fällt wegen der IT Investitionen gut Fr. 10‘000 höher aus als im Vorjahr. Die Sektion COMPAGNA Ostschweiz hat Fr. 90‘000 zur Defizitdeckung beigetragen. Aus dem Fonds Reisebegleitung Luzern wurden dieses Jahr keine Gelder entnommen. Begleitpersonen Am Ende des Jahres waren 183 (177) Begleitpersonen in unserem Pool eingeschrieben. 93 Reisebegle­iterinnen und 25 Reisebegleiter d.h. zwei Drittel unserer Freiwilligen waren im letzten Jahr mindestens einmal für COMPAGNA unterwegs. Wie häufig eine Begleitperson zum Einsatz kommt, ist abhängig von verschiedensten Faktoren: Reiseroute und Wünsche des Kunden einerseits, Wünsche, Flexibilität, Fähigkeiten und Wohnort der Begleitperson andererseits. Schweizerische Tagung Wir durften dieses Jahr die Gastfreundschaft des Psychiatriezentrums Münsingen inkl. Parkanlagen geniessen. Unter dem Titel „Psychiatrie gestern und heute“ machte Mike Sutter, Leiter Kommunikation und Informatik PZM, mit uns eine Zeitreise durch die Geschichte der Psychiatrie. Dorothee Rübel von FRAGILE SUISSE referierte zum Thema „Öffentlich unterwegs – trotz Hirnverletzung“: alle 30 Minuten ein neuer Fall, jeden zweiten Tag bis drei Fälle schwerer Hirntraumata, jeder kann jederzeit eine Hirnverletzung erleiden. Von einer betroffenen Korreferentin konnten wir erfahren, wie selbstverständliche Handlungen im Alltag plötzlich zu unüberwindbaren Hürden werden. Während sie früher für eine Führungsperson plante, organisierte, kommunizierte, ist ihre Handlungsplanung stark beeinträchtigt – kommt beim Anziehen der Strumpf vor dem Schuh? – und sie kann nur noch eine Aktivität nach der andern ausführen – Essen oder Reden. Viele Beeinträchtigungen sind nicht sichtbar, was von Fremden zu Fehlbeurteilungen führen kann. FRAGILE SUISSE setzt sich für Menschen mit einer Hirnverletzung und ihre Angehörigen ein und bietet ihnen medizinische, therapeutische, juristische und soziale Dienstleistungen an. Zwischen den Referaten blieb den Teilnehmenden genügend Zeit für den Erfahrungsaustausch zu den aktuellen Begleitungen oder einfach zu einem gemütlichen Beisammensein. Werbung Dieses Jahr haben wir wieder einmal zahlreiche Institutionen in der ganzen Schweiz angeschrieben: Spitex, Pro Senectute, Kinderhorte, Kurhäuser, Spitäler, Kliniken, Blindenorgani­sationen, etc. Ferner haben alle Kirchgemeinden einen Jahresbericht erhalten. Wir hoffen so ebenfalls das Umfeld von potentiellen Kundinnen und Kunden zu erreichen. Dank Die gute Stimmung an den Schulungen und Tagungen sind für uns ein Zeichen, dass das Mitmachen bei der Reisebegleitung Freude bereitet. Entsprechend motiviert gehen unsere Reisebegleiterinnen und Reisebegleiter auf ihre Einsätze. Die beste Voraussetzung für das Gelingen eines Auftrages. Wir danken allen Freiwilligen für ihr Engagement, ihr Mitdenken, ihre Geduld mit den nicht immer einfachsten Kunden. Zahlreiche Unternehmen, Kirchgemeinden und Privatpersonen haben uns im letzten Jahr mit finanziellen oder anderen Leistungen unterstützt. Auch ihnen herzlichen Dank: Allen Spenderinnen und Spendern, insbesondere der Firma facto AG Olten dem gemeinnützigen Frauenverein St. Gallen der katholischen Kirchgemeinde Birmensdorf Roger Rusch, der uns mit der Weiterentwicklung der EDV Applikation einen grossen Schritt weitergebracht hat – alles zum Studententarif Martin Wenger für die unentgeltliche Revision der Jahresrechnung Jean-Pierre Bleher, der ehrenamtlich den Jahresbericht sowie die Briefschaften übersetzt den SBB für einen namhaften Beitrag an die Reisekosten für die Schweizerische Tagung der Firma Maestrani, Flawil für die Naturalspenden zur Versüssung der Freiwilligenarbeit

Suzanne Gut Geschäftsführerin

Beitrag von: Suzanne Gut am 2014-04-26

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