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Bericht Bahnhofhilfe 2012

BAHNHOFHILFE 2012

Auch 2012 konnte die BahnhofHilfe mit hoher Eigenleistung und grosser ehrenamtlicher Mitarbeit von den zwei Trägervereinen PRO FILIA und COMPAGNA geführt werden. Die Bahnhofhelfer und -helferinnen haben unermüdlich vielen Personen mit Beschwerden das Reisen ermöglicht. Die Dankbarkeit dieser Menschen ist der schönste Lohn der BahnhofHilfe.

Für die finanzielle Unterstützung bedanken wir uns bei den SBB, Institutionen und Privatpersonen sehr herzlich. Sie ermöglichen uns, diese unentgeltliche Hilfeleistung zu erbringen. 2012 weist unsere Statistik 163‘303 Leistungen aus.

An der Sitzung mit Vertretern der SBB konnten wir unsere Anliegen der verschiedenen BahnhofHilfen anbringen und erhielten Informationen über Neuerungen und Änderungen an den Bahnstationen. Eine von den SBB durchgeführte Umfrage bei den Leiter Service und SBB-Call Center zeigte, dass die BahnhofHilfe sehr gut arbeitet. Auch die Kundenzufriedenheit hat ein hohes, positives Resultat erreicht. Dies ist der Verdienst unserer Bahnhofhelfer und -helferinnen und dafür bedanke ich mich recht herzlich.

Am 24.9.2012 fand in Bern eine Tagung der BHH-Präsidentinnen und Delegierten von PRO FILIA und COMPAGNA statt. Hauptthema war „Zukunft der BahnhofHilfe“ Es wurde eine Arbeitsgruppe von 4 Personen gebildet, um die ausgegebenen Fragebogen auszuwerten.

Der folgende Überblick zeigt die Bahnhöfe, an denen PRO FILIA mit BahnhofHilfe arbeitet:

Bern Am Bahnhof Bern wird permanent irgendwo etwas um- oder neu gebaut. Das Büro der BahnhofHilfe ist sehr zentral gelegen, in der Personenunter­führung. Da die Eingangstüre nur mit Schlüssel geöffnet werden kann, ist ein spontanes Aufsuchen der BahnhofHilfe nicht möglich. Wir kompensieren dies, indem wir sehr präsent sind auf dem ganzen Bahnhofareal. So können wir rasch Hilfe leisten, wenn sich ein Zwischenfall ereignet. Das viele Zirkulieren wirkt sich direkt auf die erteilten Auskünfte und Hilfeleistungen für Passanten aus. Bei Störungen im Bahnverkehr geben wir Auskünfte und helfen beim Umorganisieren der Reiserouten. Priorität geniessen aber die uns erteilten Aufträge vom Call Center Brig und die per Telefon oder Mail eintreffenden Reservierungen für eine Begleitung von Blinden oder behinderten Personen. Wir sind auch Anlaufstelle für Sorgen und Nöte und helfen, wo wir können.

Biel Der Bahnhof Biel ist nicht sehr gross und deshalb gut überschaubar. Die Zusam-menarbeit zwischen BahnhofHilfe, SBB, Ladenwelt, Touristenbüro und Verkehrsbüro funktioniert gut, wir helfen einander. Die Hauptkundschaft der BHH sind blinde und sehbehinderte Personen, die wir regelmässig begleiten. Vom nahe gelegenen Al-tersheim oder vom Taxistand holen wir behinderte Personen ab und begleiten sie an die Rampe oder zum Zug. Jede Hilfeleistung hat eine eigene Geschichte und jede Bahnhofhelferin hat zu bestimmten Personen eine besondere, vertraute Beziehung. Vielen Personen können wir mit einem guten Wort und einem offenen Ohr und etwas Zeit viel Gutes tun.

Chiasso Auf diesem Bahnhof konnte die BahnhofHilfe in 3420 Fällen Hilfe leisten. Mit der speziellen Situation als Grenzbahnhof betraf es davon in 2464 Fällen Asylanten. Es gibt aber verschiedenste Gründe von Hilfesuchenden, z.B. suchte einmal eine junge Frau mit Kindern Schutz vor häuslicher Gewalt, ein andermal kamen zwei Jugendliche, die im Zug bestohlen worden waren. Wenn nötig erhalten solche Personen kurzfristig Unterkunft und Verpflegung. Das Büro ist jeden Tag von 8 bis 11 Uhr mit einer Person besetzt. Ausserhalb dieser Zeit ist immer jemand telefonisch erreichbar. Die Nummern sind wohlbekannt, sowohl bei SBB-Verantwortlichen als auch bei lokalen und kantonalen Polizeidienstste­llen und der Grenzwacht.

Genf Cornavin Hier sind die Umbauarbeiten immer noch voll im Gange. Die BahnhofHilfe ist am Ende des Perrons 4 in einem Container untergebracht. Für Hilfesuchende schwer erreichbar, da auch keine Hinweistafeln den Weg zeigen. Regelmässig nehmen wir an den Info-Veranstaltungen der SBB, teil um über die Bauarbeiten informiert zu werden. Alle Bahnhofhelferinnen haben einen Weiterbildungskurs durch den Samariterverband absolviert.

Genf SBB Flughafen Cointrin Seit sich COMPAGNA vom Bahnhof Cointrin zurückgezogen hat, betreibt PRO FILIA diese Bahnhofhilfe alleine. Dass unsere Präsenz gerechtfertigt ist, beweisen die 8‘560 Hilfeleistungen im Jahre 2012.

Olten In Olten – als grösster Eisenbahnknoten­punkt der Schweiz – ist der Anteil an Auskünften und Hilfeleistungen sehr hoch, da die BahnhofHilfe oft dem SBB-Personal hilft, beim Informieren von Zugsumleitungen und Verspätungen. Die Zusätzliche Hilfe beim Ein- und Ausladen mit dem Mobilift ist oft gefragt. Regelmässige Aufträge von auf Hilfe angewiesenen Kunden kommen vor allem von behinderten Reisenden. Der von den SBB zur Verfügung gestellte BHH-Raum kann leider nicht öffentlich zugänglich gemacht werden und wird deshalb nur selten in Anspruch genommen.

Zürich Eine Begebenheit, die die Bahnhofhelferinnen in Zürich sehr oft erleben: Ein älterer Mann steht verloren am Bahnhof ZH, er weiss nicht mehr, wo er sich befindet. Mit viel Liebe und Geduld versucht unsere Bahnhofhelferin herauszufinden, woher er gekommen ist und wo er hin will. Bald ist klar, er hat Demenz und ist aus einem Heim weggelaufen. Nun wird es schwieriger, denn er redet wirr. Die Bahnhofhelferin versucht weiter, sein Vertrauen zu gewinnen, bis sie herausfindet, von wo angereist ist. Sie informiert das Heim und der demente Mann wird von einem Helfer in unser Bahnhofstübli gebracht. Auch viele gestrandete Immigranten klopfen bei der BahnhofHilfe an. Menschen aus Ostblockländern, aber auch aus Spanien und Italien holen sich Hilfe bei der BahnhofHilfe. Wir sind oft die erste Anlaufstelle und bieten Hilfe, indem wir diesen Menschen Verständnis und Rat geben.

Oktober 2013 Margrit Gätzi PRO FILIA CH-Delegierte der Bahnhofhilfe

Beitrag von: Suzanne Gut am 2014-01-12

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